Handküsse Titel

Handkussfetischisten in Österreich

 

Hände Bortezum Handkuß kommen = an die Reihe kommen, drankommen (im negativsten Sinne) Männer, die eine Dame noch mit „Küß die Hand“ begrüßen oder diese Drohung gar wahrmachen, sind entweder vollendete Gentlemen oder Schmierenschauspieler. Ein sicheres Urteil darüber, welcher Gruppe ein Grüßer und Küsser zuzuordnen ist, konnten Frauen oft erst im nachhinein fällen (unter uns gesagt: der zweite Verein ist mitgliedsstärker). Deshalb fallen die österreichischen Frauen von heute auch nicht mehr auf den Handkuß herein und lassen sich ihre Extremitäten nur noch von Männern küssen, die sie kennen. Damit Handkußfetischisten aber trotzdem zu ihrem Vergnügen kommen und das Wort samt dazugehöriger Sitte nicht aussterbe, wurde der Part der widerwilligen Frau vom Staat übernommen. Dieser ziert sich nicht, sondern läßt jeden zum Handkuß kommen, auch solche, denen von Haus aus jegliche Küsserei zuwider ist. Er übergeht dabei auch die kleinen Leute nicht und trägt so zur Erhaltung eines liebgewonnenen Stücks österreichischer Kultur bei.

(aus: Habe die Ehre - Österreichisch von A bis Z, von Stefan Vögel)

Handkuss: Mein Compliment

 

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