Gedichte Titel

 

DIE LIEBESGESCHICHTE VON HAFSA UND
ABU DSCHA'FAR

HAFSA (an Abu Dscha'far)

EIN GAST STEHT DRAUSSEN

Ein Gast steht draußen. Sein Gazellenrücken
Trägt ein Gesicht so schön wie Vollmondschein.
Die Blicke, die er wirft, sie wollen dich entzücken
Und seine Lippen sind noch süßer als der Wein.

Die Rose selbst erbleicht vor seinen Wangen.
Beim Lächeln läßt er Perlenzähne sehn.
Er wartet. Willst du diesen Gast empfangen,
Geliebter? Oder soll ich wieder gehn?



HAFSA (an Abu Dscha'far)

WIRST DU NUN KOMMEN

Wirst du nun kommen, oder soll ich dich besuchen?
Mein Herz ist so geneigt, dir alles zu erfüllen.
Mein frühlingssüßer Mund will deine Küsse buchen,
Mein wehend Haar will schattig dich umhüllen.

Mög dir die Hitze großen Durst bescheren:
Ich kann zur Mittagsruh zu deinem Lager kommen.
Gib eilig Antwort, Liebster. Sehnsucht mög dich lehren,
Daß Stolz und Kühle dir in keiner Weise frommen.



HAFSA

LOB SEI DEN LIPPEN

Lob sei den Lippen, die sich andern Lippen fügen!
Jetzt wurde endlich die Erfahrung mein,
Und Allah weiß, ich spreche keine Lügen:
Der Küsse Duft ist süßer als der Wein.



ABU DSCHA'FAR (an Hafsa)

NUN MÖGE ALLAH SEGNEN

Nun möge Allah segnen jene Nacht,
Da wir uns in der Gärten Schoß versteckten,
Da uns der Hügel seine Brise dargebracht
Und alle Nelken ihre Düfte für uns weckten.

Die Tauben girrten uns ein Lied. Die Myrtenzweige
Am Bach vergnügten sich, im Takte mitzuwippen,
Als wir zum Spaß des Gartens bei des Tages Neige
Uns heiß umarmt und uns geküßt die Lippen.



(Aus: Andalusischer Liebesdiwan. Nachdichtungen Hispano-Arabischer Lyrik von Janheinz Jahn
Verlagsanstalt Hermann Klemm - Erich Seemann Freiburg im Breisgau 1955)
http://members.aol.com/hlaaks3/hafsa.htm

 

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