
Maß der Liebe
Wie du mir nötig bist? Wie Trank und Speise Dem Hungernden, dem Frierenden das Kleid, Wie Schlaf dem Müden, Glanz der Meeresreise Dem Eingeschloßnen, der nach Freiheit schreit.
So lieb ich Dich. Wie dieser Erde Gaben Salz, Brot und Wein und Licht und Windeswehen, Die, ob wir wir sie auch bitter nötig haben, Sich doch nicht allezeit von selbst verstehen.
Und tiefer noch. Denn auch die ungewissen Und fernen Mächte, die man Gott genannt, Sie drangen mir zu Herzen mit den Küssen,
Den Worten Deines Mundes und die Blüte Irdischer Liebe nahm ich mir zum Pfand Für eine Welt des Geistes und der Güte.
Marie-Luise Kaschnitz
(1901-1974)
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