

"Um alsobald mit einem süßen Langwierigen Kusse sich zu begrüßen."
(Wilhelm Busch, Tobias Knopp / Herr und Frau Knopp II.1: Eheliche Ergötzlichkeiten)
Die Jungfrau auf der vorderen Höhe
Einem Pilger aus dem Österreichischen erschien auf der Vordern Höhe eine Jungfrau. Sie bat ihn, er möge sie mit einem Kuss erlösen. Zum Lohn erhalte er ein "Chessi" gefüllt mit Gold. Doch traute er der Sache nicht und ging eilends weiter nach Einsiedeln. Dort fragte er den Pater im Beichtstuhl um Rat. Dieser sagte ihm, er solle es bei der Rückkehr nur tun. Es handle sich sicher um eine arme Seele. Als Schutz gab er ihm ein Kelchtüchlein mit. Als er wieder auf der Höhe war, erschien ihm das Fräulein. Er wollte es küssen. Im selben Augenblick war's eine Kröte. Da wollte er das Keichtüchlein auf die Kröte legen, um sie so zu küssen. Aber eine Schlange zischte ihm entgegen. Nun hielt es ihn nicht mehr, und voll Schrecken eilte er talwärts. Hinter ihm aber hörte er den klagenden Schrei: "Numal hundert Jaar, numal hundert Jaar!" Als hundert Jahre vorbei waren, gab es im Dorf Leute, die sagten, man sollte hinaufgehen und sehen, ob das Fräulein wieder komme. Aber keiner ging.
(Sage aus Amden/Schweiz)
Der Schlangenkuss
Ein Schäfer hütete am Burgberg bei Asterode seine Schafe. Da erschien ihm eine weiße Jungfrau und bat ihn, er möge doch am anderen Tage wiederkommen und seinen Jungen mitbringen. Dann wollte sie in Gestalt einer Schlange erscheinen und dem Jungen einen Kuss geben. Aber der Junge dürfe dabei nicht zusammen zucken, sonst geschehe ein großes Unglück.
Des anderen Tages stellten sich der Schäfer und sein Sohn richtig ein. Da kam die Jungfrau als Schlange dahergekrochen und ringelte sich an dem Jüngling empor, um ihn zu küssen. Doch bei der eiskalten Berührung konnte er sich eines heftigen Schauders nicht erwehren. Da stieß die Schlange einen herzzerreißenden Schrei aus, der durch Mark und Bein ging, fiel herunter zur Erde und jammerte: "Nun werde ich nicht eher befreit, bis ein Vögelchein eine Eiche pflanzt und aus dem Holz der Eiche eine Wiege angefertigt wird. Das Kind, das zuerst in der Wiege liegt, soll mich erlösen."
diese Sage habe ich gefunden bei http://www.asterode.de/ged_sag/sagen.html#schlange
Die kleine indische Prinzessin
Die kleine indische Prinzessin sitzt tags an Teichen, oder steht auf Brücken, und immer möchten ihre Hände schmücken. Aus einem Körbchen wirft sie Blumen in die Flut, bisweilen schlingt sie um Lampions Blattranken, am schönsten aber kränzt sie ihren Hut. Dann in der Nacht, wenn Kerzen glühn und schwanken, fährt sie den Strom hinab im Zederkahn, und plötzlich taucht sie, wie ein weißer Schwan, ins kühle Haus der goldgeschuppten Fische und spielt mit ihnen um die grünen Blättertische der Lotosrosen. Und wenn sie lächelnd auf dem Rücken schwimmt - der Ganges liebt den schwarzen Kelch der Haare, aus dem geheimnisvoll das kleine Antlitz glimmt - dann küßt der goldne Buddha sie und trägt ihr Herz ins endlos Wunderbare.
Elisabeth Paulsen
Karl May
3. Kußforderungen "... Ich bitte um einen Kuß, Hoheit!" "Frecher! Gehen Sie!" "Einen Kuß!" "Ich rufe um Hilfe!" (241)
Für das Motiv "Kußforderung" legte May wahre Begeisterung an den Tag; es erscheint auch in den merkwürdigsten Situationen: "Welch aan lieb's und schön's Vögele! ... Soll er wirklich in den Käfig kommen?" "Ja." "Aber wenn ich nun recht schön bitt, ihn frei zu lassen!" "So kann ich doch net ja sag'n. Der Vater ernährt sich von dem Vogelhandel ..." "Dann will ich Dir den Stieglitz abkauf'n!" ... "Gibst wirklich dafür, was ich verlang?" "Ja" "Aber ich werd von Dir kaan Geld fordern. Alma! Die Freiheit ist auch für so aa Geschöpfle mehr werth als kalte, herzlose Münz." "Was willst' denn?" "Aan Kuß ist's, für den ich Dir ihn geb." Eine glühende Röthe ergoß sich über ihr Gesicht. (242)
"Du darfst mich küssen, Katombo, denn Du bist mein Bruder." "Dein Bruder? Ich will den Kuß der Liebe, aber nicht den Kuß einer Schwester!" (243)
"Nun wohl Alte, ich will mich auch jetzt noch gnädig finden lassen. Ich hetzte den Hund auf diesen Burschen, der sich von Zarba küssen ließ, und er tödtete ihn, weil dann ich sie küssen wollte. Wenn jetzt Zarba vor allen Euren Augen mich dreimal küßt, soll Alles vergeben sein." (244)
"Sage einmal, hast Du bereits einen Schatz?" "Sind solche Fragen hier in der Sitte?" antwortete sie. "Nicht nur hier, sondern überall. Ich muß wissen, ob Du einen Geliebten hast." ... "... Dann will ich Ihnen lieber gleich sagen, daß ich bereits versehen bin." ... "Auch gut! Aber einen Kuß hast Du doch wohl auch an einen Anderen übrig?" (245)
"Wanka, einen Kuß!" Sie bot ihm lächelnd die vollen, rothen Lippen. Er zog sie fest an sich und küßte sie wiederholt. "Du bist ein listiger Satan, Wanka! ..." (246)
Mit der skurrilen Romangestalt Franza von Stauffen zeichnet May nicht nur ein spöttisches Bild über die weiblichen Laienautoren damaliger Zeit, sondern er richtet ferner einen Spiegel gegen sich selbst, indem er das
// 54 // von ihm überstrapazierte Kußforderung-Sujet ironisiert. Franza, an dichterischer Überspanntheit leidend, will jeden, der ihr sympathisch ist, küssen: "... Komm her; ich muß Dich küssen!" Sie trat auf ihn zu und wollte ihn auf die Stirn küssen. Er wehrte ihr erschrocken ab. "Laß sein! Ich mag kein Geschmatz. Ich kenn Dich ja gar nicht." "... Ich muß Dir das Wort des Dichters entgegenrufen: 'Dem Verdienste seine Kronen!' Komm her zu mir, trauter Fex! Ich muß Dich küssen!" Sie streckte die Arme nach ihm aus. Er aber sprang ganz erschrocken zurück und rief aus: "Himmelsakra! Was will Die mit mir! Fangt sie ein, und sperrt sie hinein ins Spritzenhaus!" (248)
4. Der Kuß "O, laß mich den Strahl Deiner Augen und den Glanz Deines Angesichtes trinken, Du Holde, Du Reine, Du Unvergleichliche. Laß mich Deine Lippen küssen und dann sterben vor Wonne, vor Entzücken und vor Seligkeit!" Er bog sich zu ihr nieder und berührte mit seinem Munde zweimal, dreimal ihre Lippen, ohne daß sie es ihm wehrte. Ihr Angesicht erglühte, aber sie griff weder zum Schleier noch suchte sie sich seinem Arme zu entziehen. (249)
Sie erglühte noch tiefer. Er konnte sich nicht halten; er zog sie an sein Herz und küßte sie auf die rosigen Lippen. "Almah, ich habe Dein gedacht mit heißer Sehnsucht, seit ich Dich damals aus dem Wasser trug. Sag, o sag, darf ich, nun ich Dich gefunden habe, Dich festhalten für das ganze Leben?" Sie neigte ihr Köpfchen an seine Brust. "Arthur, Du darfst!" "Habe Dank, Du liebes, Du süßes, Du herrliches Wesen!" Er zog sie fester an sich und küßte sie wieder und immer wieder. (250)
// 55 // Küsse nach diesem Grundmuster, wie hier aus Scepter und Hammer, wird man in den Münchmeyer-Romanen stets wieder begegnen. Zuweilen geht es dort recht geräuschvoll zu: Er nahm sie bei der Taille, zog sie an sich und drückte ihr einen schallenden Kuß, den sie auch ruhig litt, auf die Lippen. (251)
Sie lachte hell und munter auf, schlang die Arme um seinen Hals und gab ihm einen - zwei - drei schallende Küsse. (252)
May war stets ein glühender Bewunderer des Märchens. Nicht nur sein Werk, auch sich selbst wollte er gern als solches verstanden wissen. In seiner Selbstbiographie findet sich deshalb folgende aufschlußreiche Äußerung: Ich brauche nur die Augen zu öffnen, so sehe ich sie aufgespeichert, diese Hunderte und Aberhunderte von fleischgewordenen Gleichnissen und nach Erlösung trachtenden Märchen. In jeder Zelle eins und auf jedem Arbeitsschemel eins. Lauter schlafende Dornröschen, die darauf warten, von der Barmherzigkeit und Liebe wachgeküßt zu werden. (253)
Das Sujet vom Wachküssen à la Dornröschen erwähnt May nicht grundlos, er gebrauchte es tatsächlich gleich an mehreren Stellen: Er legte sie vorsichtig in' s weiche Moos nieder und wollte sich entfernen, ...; aber als er noch einen Blick zurückwarf auf die Daliegende, wurde er von dem Zauber ihrer Schönheit so erfaßt, daß er wieder zurückkehrte und neben ihr niederkniete. Er nahm ihr schönes, von weichen, blonden Locken umwalltes Köpfchen in seine Arme und drückte Kuß um Kuß auf die jetzt bleichen Lippen, gerade so wie damals, als sie in der Höhle des Felsenbruches vor ihm lag und dann bei dem Erwachen vor Zorn erglühend aufgesprungen war. Auch jetzt schlug sie die Augen, diese wunderbaren Augen auf; aber nicht zornig blickte sie, als sie seinen Kuß fühlte, sondern selige Freude leuchtete aus ihnen, und beide Arme schlang sie, ihn fest an sich ziehend, um seinen Nacken. (254)
Das leichte Gewand war durchnäßt und legte sich eng an die wunderbar schöne Gestalt; ... Ich nahm sie in die Arme, strich ihr das lange, reiche, aufgelöste Haar aus der Stirn, rieb ihr die zarten Schläfe, legte, um der regungslosen Brust Athem zu geben, meinen Mund auf ihre Lippen, rief sie bei den zärtlichsten Namen, die ich jemals gehört, und - da ging ein Zittern über ihren Körper erst leise, dann immer be-
// 56 // merkbarer; ich fühlte das Klopfen ihres Herzens, trank den Hauch ihres Athems, sah die langen, seidenen Wimpern sich öffnen - sie lebte, sie erwachte, sie war dem Tode entgangen! Ich drückte sie an das Herz und küßte vor seliger, unendlicher Freude die sich mehr und mehr erwärmenden Lippen. (255)
Die letzten beiden Zitate sind original Karl May. Man beachte jetzt folgenden Abschnitt aus Die Liebe des Ulanen ! Da lag sie bleich und regungslos. Das nasse Gewand legte sich eng an die herrlichen Glieder und ließ die Formen derselben so deutlich erscheinen, als ob sie unbedeckt seien. Müller achtete nicht auf den Regen; er vergaß das Brausen des Sturmes und das Brüllen des Wassers; er sah nur die Heißgeliebte vor sich. Er ließ sich neben ihr nieder, nahm ihren Kopf in den Arm und legte seine Lippen auf den Mund, welcher, leise geöffnet, die köstlichen Zahnperlen sehen ließ. Er küßte, küßte und küßte sie wieder und immer wieder, bis er fühlte, daß ihre Lippen warm wurden. (256)
Beweist die direkte Gegenüberstellung nicht, daß Karl May, der Verfasser des Old Firehand-Textes, auch der Verfasser der Stelle aus dem Ulanen ist? Hier mag noch auf ein leidiges Thema eingegangen werden, das die Münchmeyer-Romane nur am Rande berührt. Es herrscht in einigen Kreisen die Meinung vor, Karl May sei homosexuell gewesen. Diese Ansicht beruht auf den nicht haltbaren, vermutlich auch nie ernstgemeinten Thesen des Schriftstellers Arno Schmidt in seinem Buch "Sitara und der Weg dorthin". Obwohl wissenschaftlich längst widerlegt (257),
findet man seine Satire als Tatsache weitergetragen, um May abzuqualifizieren! (258)
Walther Ilmer nahm zu der angeblichen Homosexualität Mays wie folgt Stellung: "Im Überschwang der Gefühle küßt Old Shatterhand seinen Blutsbruder Winnetou gern und jubelnd ...; wer wollte das bestreiten? Er gab sich gar nicht die Mühe, sein Pferd im Laufe anzuhalten; er ließ die Büchse zur Erde gleiten, und schnellte sich, während es an mir vorüberschoß, herab und mir in die ausgebreiteten Arme, um mich an sich zu drücken und wieder und wieder zu küssen.
// 57 // Ja, wir waren Freunde, Freunde in des Wortes vollkommenster und bester Bedeutung, und waren doch einst Todfeinde gewesen! Sein Leben gehörte mir und das meinige ihm; damit ist alles gesagt. Wir hatten uns solange nicht gesehen; ... ... Zu den Zeiten des Entstehens solcher Szenen war man in weiten Teilen Deutschlands offenbar ganz unbefangen gegenüber derartigen 'Zärtlichkeiten'. (Ausgerechnet heute, im Zeitalter der Toleranz, sind sie 'suspekt'.) Dazu gehört illustrierend auch dies: Da ich selbst allmählich zu einem Relikt aus vergangenen Zeiten werde, soll eine Gepflogenheit meiner Altvorderen ... exemplarisch 'zur Ehrenrettung Karl Mays' herangezogen werden, bevor sie im Nebel des Vergangenen auf immer versinkt: In den Zweigen meiner kaum noch überschaubar großen Familie, die sich von Nordhessen (szt. Fürstentum Waldeck) über Thüringen und Sachsen ausbreitete, war es eine Selbstverständlichkeit, daß bei Feiern und ähnlichen Zusammenkünften auch die männlichen Mitglieder nach längerer Trennung einander mit herzlicher Umarmung und Kuß begrüßten. Alle meine Urgroßväter und Urgroßonkel, Großväter und Großonkel machten mit, und die wachsende Schar der Onkel und Vettern tat es ihnen nach. ... Über Ähnliches aus Bayern, aus Schwaben, aus den Küstenländern weiß ich nicht zu berichten; aber auch dort gab es in den alten Zeiten sicher nicht nur lauter zurückhaltende Männer. Und trau schau: Zu Karl Mays Lebzeiten hat kein Mensch, einschließlich Hermann Cardauns und Fedor Mamroth, Rudolf Lebius und Oskar Gerlach, die ihm doch so gern so viel am Zeug flicken wollten, Anstoß genommen an den Küssen von Held zu Held. Damals geriet ein Mann eben nicht so leicht in Verdacht, seine eigene Spezies der holden Weiblichkeit vorzuziehen, sondern durfte Gefühl zeigen." (259)
Die Quintessenz: Suchen wir doch nicht in jedem Kuß, den May schildert, einen tieferen Sinn. Wer dies dennoch tut, geht fehl: Der Kuß als Dankzahlung gehört in das Ressort des Finanzministers, der Kuß als Opfer in dasjenige des Cultusministers, der Kuß als Aeußerung einer innerlichen Gesinnung in dasjenige des Ministers des Innern, der Kuß als Friedenszeichen in dasjenige des Kriegsministers und der Kuß als Buß- und Sühnezeichen in dasjenige des Justizministers. (260)
The Kiss
by Kate Chopin (1851-1904)
It was still quite light out of doors, but inside with the curtains drawn and the smouldering fire sending out a dim, uncertain glow, the room was full of deep shadows.
Brantain sat in one of these shadows; it had overtaken him and he did not mind. The obscurity lent him courage to keep his eves fastened as ardently as he liked upon the girl who sat in the firelight.
She was very handsome, with a certain fine, rich coloring that belongs to the healthy brune type. She was quite composed, as she idly stroked the satiny coat of the cat that lay curled in her lap, and she occasionally sent a slow glance into the shadow where her companion sat. They were talking low, of indifferent things which plainly were not the things that occupied their thoughts. She knew that he loved her--a frank, blustering fellow without guile enough to conceal his feelings, and no desire to do so. For two weeks past he had sought her society eagerly and persistently. She was confidently waiting for him to declare himself and she meant to accept him. The rather insignificant and unattractive Brantain was enormously rich; and she liked and required the entourage which wealth could give her.
During one of the pauses between their talk of the last tea and the next reception the door opened and a young man entered whom Brantain knew quite well. The girl turned her face toward him. A stride or two brought him to her side, and bending over her chair--before she could suspect his intention, for she did not realize that he had not seen her visitor--he pressed an ardent, lingering kiss upon her lips.
Brantain slowly arose; so did the girl arise, but quickly, and the newcomer stood between them, a little amusement and some defiance struggling with the confusion in his face.
"I believe," stammered Brantain, "I see that I have stayed too long. I--I had no idea--that is, I must wish you good-by." He was clutching his hat with both hands, and probably did not perceive that she was extending her hand to him, her presence of mind had not completely deserted her; but she could not have trusted herself to speak.
"Hang me if I saw him sitting there, Nattie! I know it's deuced awkward for you. But I hope you'll forgive me this once--this very first break. Why, what's the matter?"
"Don't touch me; don't come near me," she returned angrily. "What do you mean by entering the house without ringing?"
"I came in with your brother, as I often do," he answered coldly, in self-justification. "We came in the side way. He went upstairs and I came in here hoping to find you. The explanation is simple enough and ought to satisfy you that the misadventure was unavoidable. But do say that you forgive me, Nathalie," he entreated, softening.
"Forgive you! You don't know what you are talking about. Let me pass. It depends upon--a good deal whether I ever forgive you."
At that next reception which she and Brantain had been talking about she approached the young man with a delicious frankness of manner when she saw him there.
"Will you let me speak to you a moment or two, Mr. Brantain?" she asked with an engaging but perturbed smile. He seemed extremely unhappy; but when she took his arm and walked away with him, seeking a retired corner, a ray of hope mingled with the almost comical misery of his expression. She was apparently very outspoken.
"Perhaps I should not have sought this interview, Mr. Brantain; but--but, oh, I have been very uncomfortable, almost miserable since that little encounter the other afternoon. When I thought how you might have misinterpreted it, and believed things" --hope was plainly gaining the ascendancy over misery in Brantain's round, guileless face--"Of course, I know it is nothing to you, but for my own sake I do want you to understand that Mr. Harvy is an intimate friend of long standing. Why, we have always been like cousins--like brother and sister, I may say. He is my brother's most intimate associate and often fancies that he is entitled to the same privileges as the family. Oh, I know it is absurd, uncalled for, to tell you this; undignified even," she was almost weeping, "but it makes so much difference to me what you think of--of me." Her voice had grown very low and agitated. The misery had all disappeared from Brantain's face.
"Then you do really care what I think, Miss Nathalie? May I call you Miss Nathalie?" They turned into a long, dim corridor that was lined on either side with tall, graceful plants. They walked slowly to the very end of it. When they turned to retrace their steps Brantain's face was radiant and hers was triumphant.
Harvy was among the guests at the wedding; and he sought her out in a rare moment when she stood alone.
"Your husband," he said, smiling, "has sent me over to kiss you. "
A quick blush suffused her face and round polished throat. "I suppose it's natural for a man to feel and act generously on an occasion of this kind. He tells me he doesn't want his marriage to interrupt wholly that pleasant intimacy which has existed between you and me. I don't know what you've been telling him," with an insolent smile, "but he has sent me here to kiss you."
She felt like a chess player who, by the clever handling of his pieces, sees the game taking the course intended. Her eyes were bright and tender with a smile as they glanced up into his; and her lips looked hungry for the kiss which they invited.
"But, you know," he went on quietly, "I didn't tell him so, it would have seemed ungrateful, but I can tell you. I've stopped kissing women; it's dangerous."
Well, she had Brantain and his million left. A person can't have everything in this world; and it was a little unreasonable of her to expect it.
Daphnis und Chloe
Ausschnitt aus dem Roman von Longus
Zur Mittagsstunde ließen sie einander erst recht nicht aus den Augen. Wenn sie ihn unbekleidet sah, unterlag sie seiner blühenden Schönheit und verzehrte sich, weil sie nichts an ihm auszusetzen fand; und wenn sie das Fell und den Fichtenkranz trug und ihm die Schale reichte, war ihm, als habe er eine von den Nymphen aus der Grotte vor sich. Er nahm ihr den Kranz vom Kopf und setzte ihn sich selber auf, aber vorher küßte er ihn; und wenn Daphnis nackt war, weil er badete, schlüpfte sie in sein Gewand, bedeckte es vorher aber auch erst mit Küssen. Zuweilen warfen sie sich mit Äpfeln oder ordneten und schmückten gegenseitig ihr Haar. Sein schwarzes verglich sie mit Myrten, und von ihrem hellen, rosigen Gesicht sagte er, es sei wie die Äpfel. Er unterwies sie auch im Flöte spielen. Doch wenn sie zu blasen nur angefangen hatte, entriß er ihr schon die Schalmei und durchlief die Rohre mit den eigenen Lippen, und unter dem Vorwande, daß er sie verbessern müsse, schenkte er ihr mittels der Flöte zärtliche Küsse.
Als er einmal zur Mittagszeit spielte, während die Herden im Schatten lagen, schlummerte Chloe unversehens ein. Daphnis sah es und legte die Flöte beiseite, und da er jetzt keine Furcht zu haben brauchte, betrachtete er ihre Gestalt mit unersättlichen Blicken. Gleichzeitig sagte er leise vor sich hin: »Lieblich ist der Schlaf ihrer Augen und süß der Hauch ihres Mundes! Die Früchte duften nicht so und nicht die Blütenbäume. Doch scheue ich mich, ihn zu küssen, denn der Kuß sticht ins Herz und macht rasend wie frischer Honig. Auch wecke ich sie am Ende, wenn ich sie küsse. Die schwatzhaften Grillen! Sie lassen sie nicht schlafen, so laut zirpen sie. Und wie die Böcke beim Kämpfen mit den Hörnern klappern! Feiger als Wölfe sind die Füchse, die sie nicht geraubt haben.«
Närisches Spiel in drei Küssen
Arthur Rimbaud (15. August 1870)
Sie hatte kaum noch Wäsche an, und durch das Fenster warf ein Baum aus halber Höhe rosa Schaum und Duft herein. Der Mond begann.
Sie saß im Sessel wie der Mond so blank, und verschämt die Arme auf der jungen Brust. Die kleinen Füße wippten unbewußt den Takt der Lust, mein Herz schlug fieberkrank.
Ein blauer Schatten schoß vom Laubgewirr herunter, traf des Leibes Elfenbein und stand erschrocken irr wie ein Insekt auf spiegelweißem Stein.
Ich küßte meiner Dame heiß der feinen Knöchel Muskelspiel und war noch weit von meinem Ziel; sie lachte: "Du, um keinen Preis."
Die schmalen Fesseln zogen sich, husch in den roten Plüsch zurück, ich fühlte ihre Fingersitzen im Genick wie Nesselgift, Insektenstich.
Sie schloß die Augen schreckhaft zu beim nächsten Kusse auf das Knie, ihr schmales Schlangenzünglein schrie: "Wagt sich dein Mund noch weiter, du,
dann beiß ich dich!" Mein Mund, im Zug war schneller und entdeckte in dem Tal der Brüste das blutrote Muttermal und das war ihr zuletzt noch nicht genug.
Sie hatte nichts als nur die Haut noch an, und durch das Fenster warf ein Baum, als freue es auch ihn, aus rosa Schaum ein Seidenpfühl herein. Und Gott begann.
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