religiöse Küsse Titel

 

Den Gruß geben und empfangen

 

(Die armenische Kirche)

Der Gruß ist einer der erhabensten Augenblicke des Gottesdienstes; er bildet einen sehr alten Brauch, den die armenische Kirche bis heute bewahrt hat.

Der "Gruß" kommt im Kuß zum Ausdruck, der im Nahen und Mittleren Osten verbreitet war. Die Begrüßung ist ein apostolisches Gebot, das Paulus selbst ausgesprochen hat: "Grüßet einander mit heiligem Kuß" (Röm. 16.16). Mit diesem heiligen Kuß wurden alle Streitigkeiten und Zwiste beigelegt. Der Kuß gilt folglich als Sinnbild für Versöhnung, Eintracht, Einheit, göttliche Liebe und Milde - mithin für die Grundlage des christlichen Glaubens. Deshalb ist der entsprechende Teil des Gottesdienstes sehr wichtig; er vollzieht sich folgendermaßen:

Der Diakon verkündet den Gruß des Zelebranten, der in diesem Augenblick Christus vertritt: "Woghtchuin duk mimantz i hampuir sirputiuantz". Dann küßt er den hl. Tisch sowie die rechte Hand des Zelebranten, steigt den Altar hinab und gibt anschließend diesen Gruß an den auf ihn zukommenden Pfarrer (oder an einen Laien). Letzterer legt seine Hand auf das Haupt der in seiner unmittelbaren Nähe stehenden Gläubigen, um ihnen die Gelegenheit zu geben, den Gruß an andere weiterzureichen. Die Weitergabe erfolgt auf die folgende Weise: Der Grüßende legt seine rechte Hand auf sein Herz und neigt sein Haupt zuerst der rechten und dann der linken Schulter des gegenüberstehenden Gläubigen zu, indemer sagt: "Krisdos i medsch mer haidnetzaw" (Christus ist unter uns erschienen). Der Empfänger des Grußes erwidert: "Orhnial e haidnutyun Krisdosi" (Die Erscheinung sei gesegnet). Damit wird der Gruß an alle Gläubigen weitergereicht, indessen singt der Chor das Lied "Krisdos i medsch mer haydnezaw...".

Dieser erhebende Augenblick verbindet die Gläubigen in heiliger Liebe mit Christus.

 

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