religiöse Küsse

Der heilige Franziskus

Ein Kuss und seine Folgen
Buße im Leben des hl. Franziskus

Von "Sternstunden der Menschheit" hat der Schriftsteller und Essayist Stefan Zweig geschrieben. Und er zählt dazu u.a. den "Messias", die grandiose Komposition von G. Fr. Händel, und den Durchstich des Panamakanals. Eine Sternstunde für den hl. Franz, für die Kirche und die Welt des Hochmittelalters ist sein Erlebnis mit dem Aussätzigen, der "Aussätzigenkuß".

//Als Franziskus eines Tages auf dem Feld bei Assisi ritt, begegnete ihm ein armer, aussätziger Mensch, an dessen furchtbarem Aussehen er keinen geringen Verdruß und Abscheu hatte. Als er aber an sein Vorhaben dachte, zur Vollkommenheit zu gelangen, und daß er sich selbst überwinden müßte, um ein Ritter Christi zu sein, stieg er von dem Pferd, lief zu dem Aussätzigen, umarmte ihn, küßte ihn und reichte ihm das Almosen.

Als er nun wieder zu Roß gesessen und sich nach dem Armen umgesehen, konnte er ihn auf der weiten Heide nicht mehr erblicken. Daher sagte er voller Schrecken und Freude Gott, dem Allmächtigen, Lob und Dank. Durch sein stetes Gebet, Seufzen und Weinen hatte er erlangt, daß seine Begehren erhört wurden.

Und als er einmal gar eifrig im Gebet war, erschien ihm der gekreuzigte Christus. Dessen Aussehen erweichte seine Seele durch Mitleid dermaßen und durchdrang seine Glieder mit den Schmerzen der Marter des Erlösers, daß er sich hernach, sooft ihm die Erscheinung des Leidens Christi in den Sinn kam, mit Mühe von Weinen und Seufzen (so hat er kurz vor seinem Absterben selbst erzählt) enthalten konnte. Franziskus, der Mann Gottes, empfand durch diese Erscheinung, wie die Worte Christi in sein Herz eingedruckt wurden: Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Er ward zu selber Stund angetan mit dem Geist der Liebe Gottes, der Armut, Geduld, Demütigkeit und Andacht..." (Cronicken der mindern Brüder, Konstanz 1604)//

http://www.etika.com/deutsch4/48b1.htm

 

Weitere interessante Artikel