religiöse Küsse Titel

Die Kusstafel


(Pax):
Gerät zur Erteilung
des Friedenskusses

Kusstafel

Das oben mit einem Rundbogen abgeschlossene, von einer feingliedrig geschmiedeten Ranke eingefaßte Gehäuse aus vergoldetem Kupfer stammt aus der Abtei Eberbach im Rheingau, Es wurde angefertigt zur Aufnahme eines Agnus-Dei-Medaillons (vom Papst am ersten Weiße Sonntag nach Beginn seines Pontifikats geweihte Wachsplättchen mit der Darstellung des Gotteslammes) und diente, wie der Griff an der Rückseite vermuten läßt, dem Mönchskonvent als "Instrumentum Pacis" oder Kußtäfelchen zum Weiterreichen des Friedenskusses während der Meßliturgie.

Laut Sockelinschrift stammte das ursprünglich darin enthaltene Medaillon von Papst Alexander VI. (1492-1503).
"Instrumentum Pacis" Aus Eberbach/Rheingau, um 1500, feuervergoldetes Kupfer und Steinbesatz.


Der respektvolle Pfarrer

Als jüngst der gnädige Herr Seneschall von Boulogne durch das Land von einer Stadt zur andern ritt und an einem Weiler vorüberkam, wo man gerade zur Messe läutete, wollte er, da er nicht mehr in die Stadt, wo er sonst die Messe hörte, zu kommen fürchtete, zumal es schon fast um Mittag war, in diesem Weiler absteigen, um Gott wenigstens unterwegs zu sehen. Er stieg an der Kirchentür vom Pferde und stellte sich ganz in die Nähe des Altars, an dem man die heilige Messe las, und so dicht an den Priester, der sie zelebrierte, daß er ihn bei der heiligen Handlung von der Seite sehen konnte.

Als er das Brot und den Kelch erhoben und alles verrichtet hatte, wie es sich gehörte, rief er, nachdem er den gnädigen Herrn Seneschall hinter sich hatte treten sehen und nicht wußte, ob dieser noch zur rechten Zeit, das heilige Sakrament zu sehen, gekommen war, gleichwohl aber überzeugt war, er sei zu spät gekommen, seinen Ministranten und hieß ihn hinten die Kerze anstecken. Dann hob er noch einmal unter Beobachtung aller vorgeschriebenen Zeremonien das heilige Sakrament und erklärte, es sei für den gnädigen Herrn Seneschall. Und dann ging die heilige Handlung weiter bis zum Agnus Dei. Als er es dreimal gesagt hatte und sein Ministrant ihm das Kußtäfelchen bieten wollte, wies er ihn ab, schalt ihn sehr heftig und erklärte, er wisse nicht, was Anstand und gutes Benehmen sei, und hieß ihn, es dem gnädigen Herrn Seneschall zu reichen, der ihn zwei-, dreimal nachdrücklich abwies. Als der Priester sah, daß der gnädige Herr Seneschall die Kußtafel nicht vor ihm haben wollte, setzte er das heilige Sakrament nieder, nahm die Kußtafel und brachte sie dem gnädigen Herrn Seneschall und erklärte ihm, wenn er sie nicht vor ihm nähme, würde er, der Priester, sie überhaupt nicht nehmen: »Es ist nicht recht«, meinte der Pfarrer, »wenn ich das Oskulatorium vor Euch bekomme.«

Da der gnädige Herr Seneschall sah, daß der Mann keiner von den Klügsten war, gab er dem Pfarrer nach und nahm das Kußtäfelchen, und nach ihm nahm es der Pfarrer, und danach ward die Messe zu Ende gelesen.

Es wurde später durch ein von Pius VIII. (1829-1830) geweihtes ersetzt. Die Vorderseite des Kästchens ist mit großen, als Cabochons geschliffenen Bergkristallen besetzt. Die Rückseite zeigt zwei in Silber gravierte Heilige im bewegten Figurenstil spätgotischer Kupferstiche: links vom schwungvoll geschmiedeten Henkel den h. Martin von Tours und rechts die hl. Katharina.

 

 

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